EIP-7702 wurde am 7. Mai 2025 mit dem Pectra-Upgrade in Ethereum integriert. Der Vorschlag verfolgt ein praktisches Ziel: Eine gewöhnliche Ethereum-Adresse kann ausgewählte Funktionen eines Smart Accounts verwenden, ohne dass Guthaben auf eine neu erstellte Wallet übertragen werden muss. Spieler können dadurch beispielsweise Token-Tauschvorgänge vereinfachen, mehrere Aktionen bündeln, Netzwerkgebühren von Dritten bezahlen lassen oder begrenzte Berechtigungen vergeben. Derselbe Mechanismus verändert jedoch auch die Bedeutung einer Wallet-Signatur. Eine irreführende Autorisierung kann externen Code mit einer Adresse verknüpfen und diesem Code erlauben, über das Konto zu handeln. Im Jahr 2026 handelt es sich dabei nicht mehr nur um ein theoretisches Risiko. Schädliche EIP-7702-Signaturen wurden bereits in Wallet-Drainer-Kampagnen eingesetzt, darunter Angriffe über gefälschte Dienste, Bonusangebote und dringlich formulierte Sicherheitsmeldungen. Wer Spielguthaben, Gewinne, Stablecoins oder NFTs in einer Ethereum-Wallet hält, sollte deshalb beachten: Selbst eine Anfrage ohne sichtbaren Überweisungsbetrag kann weitreichenden und dauerhaften Zugriff gewähren.
Die meisten bekannten Ethereum-Wallets beginnen als sogenannte Externally Owned Accounts, kurz EOAs. Sie werden durch einen privaten Schlüssel kontrolliert und enthalten normalerweise keinen eigenen ausführbaren Code. EIP-7702 erlaubt es einem solchen Konto, auf einen Smart Contract zu verweisen, der als Delegate bezeichnet wird. Sobald die Autorisierung in der Blockchain bestätigt wurde, können Transaktionen mit der Wallet den Code dieses Delegate-Vertrags verwenden. Die öffentliche Adresse, vorhandene Guthaben und der private Schlüssel bleiben dabei unverändert. Der Spieler erhält keine neue Adresse und muss seine Vermögenswerte nicht verschieben. Diese Kontinuität ist praktisch, kann eine schädliche Änderung für den Kontoinhaber jedoch weniger auffällig machen.
Seriöser Delegate-Code kann die tägliche Nutzung einer Wallet verbessern. Er kann beispielsweise eine Token-Freigabe und einen anschließenden Tausch in einer einzigen Aktion zusammenfassen, Netzwerkgebühren durch einen anderen Teilnehmer bezahlen lassen, Ausgaben begrenzen oder zeitlich eingeschränkte Berechtigungen für ein Spiel vergeben. Solche Funktionen reduzieren wiederholte Bestätigungen und ermöglichen Wallet-Entwicklern zusätzliche Sicherheits- und Wiederherstellungsmechanismen. EIP-7702 ist daher nicht grundsätzlich eine Sicherheitslücke. Das tatsächliche Risiko hängt davon ab, welcher Delegate-Vertrag autorisiert wird, welche Funktionen dessen Code besitzt und ob der Spieler die Anfrage vor der Signatur verstanden hat.
Eine Delegation gilt dauerhaft und ist nicht nur auf die Webseite oder Sitzung beschränkt, in der sie angefordert wurde. Das Schließen des Browsers, die Trennung der Wallet von der Webseite oder das Entfernen einer Browser-Erweiterung löscht keine bereits in der Blockchain gespeicherte Autorisierung. Die offizielle EIP-Beschreibung weist außerdem darauf hin, dass ein fehlerhafter oder schädlicher Delegate weitreichenden Zugriff auf das Konto erhalten kann. Der rechtmäßige Besitzer kann die Delegation ersetzen oder entfernen. Bis dies geschieht, kann der verknüpfte Code jedoch weiterhin für spätere Aktionen genutzt werden. Damit unterscheidet sich EIP-7702 deutlich von einer einfachen Login-Signatur, die lediglich den Besitz einer Adresse nachweist.
Eine gewöhnliche Ethereum-Transaktion zeigt in der Regel eine Empfängeradresse, einen Betrag und die erwartete Netzwerkgebühr. Eine EIP-7702-Autorisierung kann dagegen lediglich als Signaturanfrage erscheinen, die eine Delegate-Adresse, eine Chain-ID und den aktuellen Konto-Nonce enthält. Die Signatur kann ausserhalb der Blockchain erstellt werden. Deshalb sieht der Spieler möglicherweise weder eine Gebühr noch eine unmittelbare Bewegung seiner Vermögenswerte. Ein Angreifer kann die unterschriebene Autorisierung später in eine eigene Set-Code-Transaktion integrieren und die Gebühren selbst bezahlen. Das Fehlen einer sichtbaren Überweisung bedeutet somit nicht, dass die Anfrage ungefährlich ist.
Token-Freigaben und Permit-Signaturen werden bereits häufig bei Phishing-Angriffen verwendet. Ihr Umfang ist jedoch gewöhnlich an einen bestimmten Token-Vertrag, einen Empfänger oder eine einzelne Art von Vermögenswert gebunden. Ein schädlicher EIP-7702-Delegate kann umfassender wirken, da sein Code im Kontext der Wallet-Adresse ausgeführt wird. Abhängig von seiner Programmierung kann er ETH übertragen, Token-Verträge aufrufen, neue Freigaben einrichten, NFTs verschieben oder mehrere Aktionen in einem Vorgang bündeln. Ein Spieler, der lediglich einen kleinen Bonus bestätigen möchte, kann dadurch unbeabsichtigt Code autorisieren, der auf das gesamte Guthaben des Kontos zugreifen kann.
Auch die ausgewählte Blockchain spielt eine wichtige Rolle. Eine Autorisierung kann auf ein bestimmtes Netzwerk beschränkt sein oder die Chain-ID null verwenden, wodurch sie für mehrere kompatible Netzwerke vorgesehen ist. Eine netzwerkübergreifende Autorisierung ist nicht automatisch gefährlich. Wenn der Delegate jedoch schädlich ist und die erforderlichen Bedingungen auf mehreren Netzwerken erfüllt sind, vergrössert sich der mögliche Schaden. Spieler, die dieselbe Adresse in mehreren EVM-kompatiblen Netzwerken mit EIP-7702-Unterstützung verwenden, sollten daher nicht davon ausgehen, dass ein Vorfall nur die auf der Phishing-Seite angezeigte Blockchain betrifft. Nach einer verdächtigen Signatur muss jedes verwendete Netzwerk separat geprüft werden.
Phishing-Angriffe mit Casino-Bezug beginnen häufig mit einem glaubwürdig wirkenden Grund für die Verbindung einer Wallet. Eine nachgeahmte Casino-Webseite kann eine Rückerstattung, eine Treueprämie, einen NFT-Pass, einen Turniergewinn, eine Kontoverifizierung oder einen ungewöhnlich hohen Bonus versprechen. Angreifer nutzen ausserdem gefälschte Support-Profile, private Nachrichten und bezahlte Suchanzeigen, die einen bekannten Anbieter imitieren. Die Webseite kann die öffentliche Wallet-Adresse und das tatsächliche Guthaben korrekt anzeigen. Dies erzeugt ein falsches Gefühl von Sicherheit, obwohl diese Daten öffentlich aus der Blockchain ausgelesen werden können. Der gefährliche Schritt folgt meist später, wenn der Spieler eine Nachricht signieren soll, um seine Teilnahmeberechtigung zu bestätigen, das Konto abzusichern oder eine schnellere Auszahlung freizuschalten.
Ein typischer Angriff mit EIP-7702 kann in zwei Phasen ablaufen. Zuerst fordert die gefälschte Webseite eine Autorisierung an, die die Wallet mit einem vom Angreifer kontrollierten Delegate-Code verbindet. Die dem Spieler angezeigte Beschreibung kann den Vorgang als Anmeldung, Kontoaktualisierung, Aktivierung einer Smart Wallet oder gebührensparende Funktion darstellen. Anschliessend übermittelt der Angreifer die Autorisierung innerhalb einer Set-Code-Transaktion und ruft das delegierte Konto auf. Das Guthaben kann sofort entwendet werden, der schädliche Code kann jedoch auch warten, bis wertvollere Vermögenswerte eingehen. Da der Angreifer die Transaktionsgebühr übernehmen kann, muss das Opfer zum Zeitpunkt der Signatur nicht einmal ETH besitzen.
Im Jahr 2026 veröffentlichte Daten zeigen, dass sich das Risiko nach der Einführung von Pectra zu einer realen Angriffsmethode entwickelt hat. Laut einer Auswertung von Scam Sniffer verursachten EVM-Wallet-Drainer im Jahr 2025 Verluste von insgesamt rund 83,85 Millionen US-Dollar bei 106.106 Betroffenen. Der überwiegende Teil dieser Summe stand mit anderen Signaturarten in Verbindung, insbesondere mit Permit-Signaturen. Die Zahl darf daher nicht als reine Schadenssumme von EIP-7702 dargestellt werden. Der Bericht dokumentierte jedoch auch schädliche EIP-7702-Signaturen nach dem Upgrade und erwähnte zwei grosse Vorfälle im August mit einem Gesamtschaden von etwa 2,54 Millionen US-Dollar. Diese Fälle zeigen, dass unbekannte Delegationsanfragen als aktuelle Sicherheitsgefahr behandelt werden müssen.
Nach der Aktivierung kann ein schädlicher Delegate im Rahmen seiner Programmierung Aktionen über die Adresse des Spielers ausführen. Er kann ETH versenden, einem Angreifer die Verwendung von ERC-20-Token erlauben, bereits freigegebene Vermögenswerte übertragen, NFT-Verträge aufrufen oder mehrere Vorgänge in einer einzigen Transaktion zusammenfassen. Der Code kann zudem Vermögenswerte betreffen, die auf der Phishing-Seite überhaupt nicht angezeigt wurden. Eine Anfrage, die angeblich nur der Beanspruchung eines bestimmten Tokens dient, kann daher auch Stablecoins, in Token gespeicherte Spielguthaben, digitale Sammlerstücke und andere Bestände derselben Adresse gefährden.
Die dauerhafte Delegation schafft ein weiteres Risiko: einen zeitlich verzögerten Diebstahl. Ein Spieler kann die Autorisierung unterschreiben, während sich kaum Guthaben in der Wallet befindet, und deshalb annehmen, dass nichts geschehen ist. Bleibt der Delegate aktiv, können spätere Einzahlungen oder Auszahlungen eines Online-Casinos zum Ziel werden. Automatisierter Code kann die Adresse überwachen und versuchen, neu eingegangene Vermögenswerte unmittelbar weiterzuleiten. Aus diesem Grund sollte eine Wallet nach einer verdächtigen Signatur nicht erneut verwendet werden, selbst wenn zunächst kein Verlust erkennbar ist. Zuerst müssen Delegationsstatus und weitere Berechtigungen vollständig kontrolliert werden.
Eine Kompromittierung über EIP-7702 bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Seed-Phrase oder der private Schlüssel offengelegt wurde. Ebenso erhält ein Angreifer dadurch nicht automatisch Zugriff auf jede andere Adresse, die mit derselben Wiederherstellungsphrase erstellt wurde. Diese Unterschiede sind für die Einschätzung des Vorfalls wichtig. Sie machen das betroffene Konto jedoch nicht sicher, da schädlicher Delegate-Code weiterhin umfangreiche Kontrolle über die konkrete Adresse besitzen kann. Auch ein seriöser Smart-Account-Delegate ist nicht mit einem Wallet-Drainer gleichzusetzen. Entscheidend ist deshalb nicht allein, ob EIP-7702 in der Anfrage erwähnt wird. Geprüft werden muss, wer den Delegate-Vertrag kontrolliert, ob die Wallet ihn als vertrauenswürdig erkennt und welche Rechte der Code tatsächlich erhält.

Eine der wirksamsten Schutzmassnahmen besteht darin, Guthaben auf getrennte Wallets zu verteilen. Langfristig gehaltene ETH, Stablecoins und wertvolle NFTs sollten in einer Wallet gespeichert werden, die niemals mit Casino-Webseiten, Bonusangeboten oder unbekannten Anwendungen verbunden wird. Für Einzahlungen und Auszahlungen kann eine separate Wallet mit einem begrenzten Guthaben genutzt werden, das nur für die aktuelle Spielsitzung benötigt wird. Diese Aufteilung verhindert eine gefährliche Signatur nicht, begrenzt jedoch den möglichen unmittelbaren Verlust. Eine Hardware-Wallet kann den privaten Schlüssel besser schützen, macht eine schädliche Autorisierung aber nicht sicher, wenn der Besitzer sie ohne ausreichende Prüfung bestätigt.
Vor jeder Signatur sollten sowohl die Webseite als auch die Wallet-Anfrage überprüft werden. Die Casino-Webseite sollte über ein gespeichertes Lesezeichen oder eine manuell kontrollierte Adresse aufgerufen werden, nicht über eine Suchanzeige, private Nachricht oder verkürzte URL. Eine normale Einzahlung bei einem verwahrenden Online-Casino erfordert üblicherweise eine Überweisung an die angegebene Einzahlungsadresse. Sie sollte keine Aktualisierung des Ethereum-Kontos, keine Zuweisung von Delegate-Code und keine Aktivierung eines Smart Accounts über einen unbekannten Vertrag verlangen. Bei einem vollständig blockchainbasierten Casino können Vertragsinteraktionen erforderlich sein. Die Vertragsadresse und der Zweck der Aktion müssen jedoch mit den Angaben in den verifizierten Informationskanälen des Anbieters übereinstimmen.
Wallet-Anfragen verdienen dieselbe Aufmerksamkeit wie Auszahlungsdetails. Anfragen mit einem unbekannten Delegate, einer Set-Code-Aktion, einer Kontoaktualisierung, einer Autorisierungsliste oder einer netzwerkübergreifenden Berechtigung sollten ohne nachvollziehbaren Grund abgelehnt werden. Nutzer sollten prüfen, ob die Wallet den Delegate als vertrauenswürdig einstuft und ob die Transaktionssimulation unerwartete Token-Freigaben, Übertragungen oder Vertragsaufrufe anzeigt. Die Wallet-Software sollte aktuell gehalten werden, da Warnmeldungen und verständliche Simulationen fortlaufend verbessert werden. Dienste zur Kontrolle von Token-Freigaben bleiben hilfreich, bieten jedoch keinen vollständigen Schutz vor EIP-7702. Zusätzlich muss der Delegationsstatus der Adresse kontrolliert werden.
Nach einer verdächtigen Autorisierung reicht es nicht aus, lediglich die Verbindung zur Phishing-Webseite zu trennen. Verfügbare Vermögenswerte sollten so schnell wie sicher möglich an eine neue Wallet übertragen werden. Vorrang haben Guthaben, die ohne zusätzliche Freigaben verschoben werden können. Anschliessend muss die EIP-7702-Delegation über eine vertrauenswürdige Wallet-Funktion oder eine geprüfte Wiederherstellungsmethode ersetzt beziehungsweise entfernt werden. Laut Spezifikation kann die Delegation durch eine Zuweisung an die Nulladresse gelöscht werden. Die meisten Nutzer sollten diese Transaktion jedoch nicht manuell erstellen, sondern eine seriöse Wallet-Oberfläche verwenden. Bietet die Wallet keine verständlichen Wiederherstellungsschritte, sollte der offizielle Support des Herstellers über dessen verifizierte Webseite kontaktiert werden.
Jedes EVM-Netzwerk, in dem die Adresse verwendet wurde, muss separat geprüft werden. Dies gilt besonders dann, wenn die ursprüngliche Anfrage möglicherweise die Chain-ID null verwendet hat. Verdächtige Token-Freigaben, NFT-Operatorrechte und Permit2-Berechtigungen müssen unabhängig widerrufen werden, da das Entfernen des Delegate-Codes bereits erteilte Freigaben nicht automatisch löscht. Neue Casino-Auszahlungen sollten erst dann an die betroffene Adresse gesendet werden, wenn alle Prüfungen abgeschlossen sind. Werden weiterhin Vermögenswerte abgezogen oder bleibt das Verhalten des Kontos unklar, sollte die Adresse vollständig aufgegeben werden. Die neue Wallet muss mit einer Wiederherstellungsphrase erstellt werden, die niemals auf dem kompromittierten Gerät oder der verdächtigen Webseite eingegeben wurde.
Transaktions-Hashes, Screenshots, Domainnamen, Delegate-Adressen und Support-Nachrichten sollten für spätere Meldungen gespeichert werden. Wurde der Name oder das Design eines echten Casinos kopiert, muss der betreffende Anbieter informiert werden. Die Phishing-Domain kann ausserdem an den Wallet-Hersteller und bekannte Blockchain-Sicherheitsdienste gemeldet werden. Casino-Anbieter können das Risiko senken, indem sie verifizierte Einzahlungsanweisungen veröffentlichen, deutlich erklären, dass Support-Mitarbeiter niemals nach Seed-Phrasen oder nicht nachvollziehbaren Smart-Account-Aktualisierungen fragen, und offizielle Vertragsadressen leicht überprüfbar bereitstellen. Auch Wallet-Entwickler tragen eine zentrale Verantwortung: Anwendungen dürfen nicht ohne eine eigenständige Prüfung durch die Wallet beliebige Delegate-Autorisierungen anzeigen, da gewöhnliche Nutzer den zugrunde liegenden Programmcode in der Regel nicht selbst bewerten können.